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Unternehmerforum 2008

Man muss nur wollen!
Mitarbeiter-Beteiligung & Unternehmenserfolg

Das Unternehmerforum vom afwn e.V. hatte am 23. April in den easyCredit-Hörsaal der Nürnberger ReWi-Fakultät eingeladen, um die gegenwärtige Debatte um die Stärkung der Mitarbeiterbeteiligung von Seiten der Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu beleuchten.

Moderator:
Prof. Dr. Harald Hungenberg
Lehrstuhlinhaber
FAU Lst. für Unternehmensführung

Keyspeaker:
Nicole Marie-France Kobjoll
Mitglied der Geschäftsleitung, Hotel Schindlerhof

Podiumsteilnehmer:
Helga Schmitt-Bussinger
Vorsitzende und Landtagsabgeordnete, SPD Schwabach

Prof. Dr. Georg Caspers
Lehrstuhlinhaber, FAU Lst. für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht

Johann Engelmann
Leiter Personalmanagement, UVEX WINTER HOLDING GmbH & Co. KG

Wolfgang Müller
Bezirksleiter, IG Metall Bayern

Dr. Bernd Rödl
Gesellschafter, WP, StB, RA, Rödl & Partner GbR

Jörg Schulten
Vorstand Personal und Organisation, imbus AG


Dass man bei Mitarbeiterbeteiligung nicht vorrangig an monetäre Aspekte denken muss, hat Keyspeakerin Nicole Kobjoll in ihrer spritzigen Schilderung der Praxis im Hotel Schindlerhof gezeigt. Wird in ihrem Betrieb die – unter beinahe schon philosophischen Prämissen – Einbeziehung der Mitarbeiter ins unternehmerische Geschehen doch als wesentlicher Baustein und Garant der wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte gewertet. Der Schindlerhof als gerne zitiertes Prinzip zur These, dass Arbeitnehmer den Wohlfühlfaktor mindestens genauso hoch bewerten wie angemessenes Einkommen.

Mitarbeiter halten

Auch wenn Firmen ihre Angestellten nicht in der Schindlerhof´schen Rigorosität in die Verantwortung einbinden, so verfolgen sie zur Sicherung kontinuierlichen Erfolges doch ein ähnliches Ziel: die Mitarbeiter mit ihrem spezifischen Know-how an sich zu binden. Bei UVEX, so Personalleiter Engelmann, geschieht das insbesondere durch die Begeisterung für die Marke, oder, wie Jörg Schulten für die imbus AG ergänzt, durch die hohe Identifikation mit dem eigenen Haus.
Motivationstheorien zum Trotz, Begeisterung alleine kann nicht der Lohn sein. Gerade bei wachsender Teuerungsrate, so der mahnende Zeigefinger von IG Metall-Mann Wolfgang Müller, nimmt bei den Arbeitnehmern das Interesse an der materiellen Anerkennung durch die Firma markant zu.
Aufs Geld setzt auch die Politik. Die Konzepte der Regierung, so Helga Schmitt-Bussinger, zielen schlicht auf die materielle Beteiligung. Immaterielle Ansätze könne man nicht durch gesetzliche Vorgaben steuern, das sei Sache der Führungskräfte.

Steuerpraxis als Stolperstein

Auch wenn der rechtliche Rahmen von Beteiligungsmodellen aus Sicht des Juristen Caspers nicht im Kreuzfeuer steht, heißt das nicht, dass eitel Sonnenschein herrscht. Die Steuerpraxis, wie Dr. Leuner aus dem Erfahrungsschatz des Hauses Rödl & Partner bekräftigt, zeigt erst die wahren Probleme, die komplizierte Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Er weiß: auch zunächst simple Lösungen erfordern in der Regel steuerberaterliche Akrobatik, damit sich gut gemeinte wirtschaftliche Zugeständnisse an die Belegschaft nicht unverhofft negativ auf die Unternehmensfinanzen auswirken.
Wenn man´s richtig anpackt, so ein Beispiel, können bei KMUs Einlagen der Mitarbeiter sogar zu einem geschätzten, wenn nicht rettenden Instrumentarium der Liquidität im Haushalt führen. Mitarbeiter-Beteiligung als Finanzierungsmodell.

Es muss nicht immer die Hohe Schule sein. Quasi als Einsteigermodell empfehle sich die individuelle Zielvorgabe an die Mitarbeiter. Bringt Leistung Erfolg, soll sich das auch in der Lohntüte widerspiegeln.

Man muss wollen!

Egal aus welcher Richtung auf dem Podium argumentiert wurde, es wurde deutlich, dass für kleine und mittlere Unternehmen Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmenserfolg kein Ding der Unmöglichkeit sein muss. Die wahre Hemmschwelle scheint zu sein: Man muss es ganz einfach nur wollen!
Wie hat doch Johann Engelmann, Vorsitzender des Nürnberger Personalleiterkreises, treffend formuliert: „Die Empirie spricht ihre eigene Sprache, und die sagt, dass dieses Thema den Unternehmen nicht unbedingt auf den Nägeln brennt.“

Peter Voigt, afwn

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